November 2009
Wir verlassen La Graciosa etwas gegen unseren Willen, weil wir eine W-Lan-Verbindung vom Boot aus
benötigen
und es in La Graciosa nur ein Internet-Café gibt. Jörg von Yachtfunk kann so auf Distanz unsere
Funkanlage
prüfen, die seit ein paar Wochen nicht mehr
funktioniert.
In der Marina Rubicón
auf Lanzarote finden wir eine exzellente Infrastruktur mit allen möglichen
Annehmlichkeiten
und
sogar einem Schwimmbad für die Segler.
Jörg kann das Problem nicht lösen. Unsere Funkanlage scheint, aus welchen Gründen auch immer, den Geist
aufgegeben zu haben. Wir müssen uns also in ein paar Tagen nach Las Palmas (Gran Canaria) begeben,
wo
sich Jörg wie jedes Jahr befindet, um den ARC-Teilnehmern (Atlantic Rallie for Cruisers) mit Rat und
Tat
zur Seite zu stehen. Er kann dort persönlich feststellen, an was unsere Anlage kränkelt. Die Frage ist nur, ob
wir überhaupt noch einen Platz in der Marina ergattern, sind doch über 260 Boote für die ARC eingeschrieben.
Aber bis es soweit ist, mieten wir noch für 2 Tage ein Auto und fahren die schöne Insel Lanzarote ab.
Ein grosser Teil davon ist mit Lava bedeckt. Der letzte Ausbruch auf Lanzarote fand im Jahr 1824 statt.
Diese Lavafelder sind noch gut sichtbar, vor allem rund um den Naturschutzpark Timanfaya.

El Golfo

Naturschutzpark Timanfaya

Montañas del Fuego - Feuerberge

Blick auf La Graciosa vom Mirador del Rio


Weinanbau auf Lanzarote.
Ebenfalls entdecken wir einige interessante Bauten und Skulpturen von César Manrique, der Mann,
welcher über einige
Jahrzehnte das Bild von Lanzarote prägte, bevor er bei einem Autounfall starb.


Nach 6 Tagen auf Lanzarote stechen wir am späteren Nachmittag in See, um am nächsten
Morgen gegen 10h00 in Las Palmas einzutreffen. Wir hatten bei der Überquerung angenehme
Bedingungen und konnten fast die ganze Strecke unter Segel zurücklegen (96 Meilen, ca. 16 Stunden).
Der Marinero, welcher uns empfängt, findet keine Reservation und wir müssen deshalb unseren
Laptop zur Kapitänerie bringen, um zu beweisen, dass wir eine Bestätigung per E-Mail erhalten haben.
Er weist uns darauf einen sehr engen Platz zwischen 2 Booten zu. Wie sollen wir da nur reinkommen,
und dann noch rückwärts, etwa mit dem Schuhlöffel? Zum Glück hat es kein Wind. Thierry manövriert
unser Boot ohne Probleme in die Lücke rein. Wir fassen die Leine und machen sie am Bug fest. Es ist so
eng, wir müssen sogar unsere Fender auf's Boot legen, damit wir uns durchquetschen können.
Gegenüber unserem Steg befindet sich ein Shipchandler, der einfach alles hat sowie ein Segelmacher, eine
Volvovertretung, Restaurants und Cafés etc. Die Mitarbeiter des Shipchandlers waren überhäuft mit
Arbeit,
blieben aber immer freundlich
und hilfsbereit. Es gab für fast alles eine Lösung und wenn nicht, kannten sie
jemanden der jemanden kannte, der das
Problem lösen konnte. Wir haben davon profitiert
und endlich unser
kleines Leck bei der
Dusche flicken lassen. Ebenso kam ein Volvovertreter vorbei und
schaute nach, ob die orangene
Flüssigkeit vom Inverter stammte oder nicht. Und zu guter letzt komplettierten wir unsere Ausrüstung mit Ersatzteilen.
Jörg von Yachtfunk konnte auch nur feststellen, dass unsere Funkanlage tatsächlich
keinen Wank mehr
machte. Glück im Unglück, denn 4 Tage später traf
ein anderer
Mitarbeiter
ein, der eine neue Anlage mitbrachte.
Unser Problem war aber, dass wir eigentlich nur für 2 Tage eine Reservation hatten und täglich mehr
ARC-Teilnehmer eintrudelten. So entschieden wir, uns einfach nicht bei der Kapitänerie zu melden und
hofften, dass sie uns "vergessen" würden. Das klappte hervorragend!
Unsere To-do-Liste wurde immer kürzer. Ja wir hatten sogar Zeit mit Sabina und Peter, Österreicher aus
Wien, welche wir seit Porto Santo her kannten, durch die Stadt und dem Strand entlang zu spazieren.

Sabina und Peter machen Schleichwerbung.

Nach mehr als einer Woche verliessen wir Las Palmas in Richtung Puerto de las Nieves. Dieser
Ankerplatz liegt an der Nordwestküste von Gran Canaria und von dort aus ist es nur noch
einen "Katzensprung" rüber nach Santa Cruz, Teneriffa, wo Evelyne und Mario an Bord kamen.

Es vergeht wieder ein Tag, an dem wir hinter einem Ersatzteil herspringen müssen. Wir haben
reichlich spät bemerkt, dass unser Agent in Frankreich uns eine falsche WC-Ersatzpumpe
mitgegeben hat. Diese Dinger sind sehr anfällig und man hat doch lieber ein Ersatzteil mit dabei,
als dass man auf die Alternative "Pütz" zurückgreifen müsste.
Ebenso müssen
wir einen Fender ersetzen, der uns in Las Palmas abhanden (?!) gekommen ist.
Der obligate Abstecher in den Supermarkt darf auch nicht fehlen. Wir komplettieren unsere Vorräte
vor allem mit Wasser, Konserven und anderen Dingen, die wir später auf der Weiterfahrt nicht mehr
finden oder teurer anschaffen müssten. Der Supermarkt liefert für € 5.-- nach Hause, in diesem
Fall bis auf den Steg in die Marina.
So viel auf einmal haben wir noch nie eingekauft - wo sollen wir das alles nur verstauen?


Originelle Plastikvasen, vor allem praktisch zum Versorgen.

Iglesia de la Concepción und Umgebgung

Eine Skulptur vor dem Theater

Natürlich wird nicht nur "gearbeitet". Wiederum mieten wir ein Auto, um die tollen Gebiete
Teneriffas
zu entdecken: im Nordosten der Strand von "Las Teresitas", die Gebirgskette "Anaga"
und "Monte de las Mercedes" sowie die Stadt La Laguna, wo sich die einzige Universität des Archipels
befindet. Ebenso fahren wir durch den Wald "de la Esperanza" hoch auf 2'300 m (brrr, brrr)
und wieder runter nach Orotava, dem Dorf der hölzernen Balkone.

Playa de las Teresitas

Nationalpark Las Cañadas del Teide.

Typische hölzerne Balkone in La Orotava.
Botanischer Garten in Puerto de la Cruz.


Gebirgskette Anaga im Nordosten.
Dann war es endlich an der Zeit, unsere Gäste mit dem Segeln vertraut zu machen. Leider war
der Wind sehr schwach und wir mussten fast den ganzen Weg bis zur Marina San Miguel motoren.
Der seitliche Wellengang hinterliess Mario keine bleibende Erinnerung (oder doch?) - er
verbrachte
die meiste Zeit liegend im Schiff. Evelyne hielt sich fürs erste Mal ganz gut und schaute weit in
die Ferne. Der Appetit der beiden kam erst wieder zum Vorschein, als alle Leinen festgemacht waren.

Hafenausfahrt in Santa Cruz.

Von der Marina aus hatten wir eine ungetrübte Sicht auf den El Teide (3'718 m). Die Prognosen versprachen
gutes Wetter und erneut mieteten wir ein Auto, um in den Nationalpark zu fahren. Die Seilbahn brachte
uns bis auf 3'555 m hoch. Die letzten Meter könnte man zu Fuss rauf kraxeln, dafür braucht es aber eine
(Gratis-)Bewilligung, die man persönlich in Santa Cruz (...) einholen müsste. Davon erfahren wir erst am Fusse des Gipfels.



Am nächsten Tag brechen wir zeitig auf, um eine bekannte Wanderung "Barranco del Inferno" zu machen.
Beim Informationszentrum ist extra jemand angestellt, um uns mitzuteilen, dass diese Wanderung
seit 5 Monaten gesperrt ist und man jetzt Statistik führt, wer von wo diese Wanderung hätte machen wollen.
Leider war es dann zu spät, um eine andere bekannte Wanderung (Barranco de Masca)
zu beginnen (6 Std.). Also fuhren wir lediglich bis zum hübschen Dorf Masca, von wo aus wir
zumindest einen Blick auf den Wanderweg und in die Schlucht werfen konnten.

Los Gigantes, 500 m hohe Klippen

Bougainvilliers in Masca.
Mit Ausnahme der zwei touristischen Hochburgen "Las Americas" und "Los Cristianos" lohnt es sich wirklich,
Teneriffa einen Besuch abzustatten. Die Insel offeriert eine wunderbare, abwechslungsreiche Landschaft mit
vielen farbigen und charmanten Dörfern.
Nach 10 Tagen auf Teneriffa hiess es wieder Leinen los, auf zu neuen Ufern. Unter allen möglichen
Winden
(einmal von hinten, dann von der Seite, voll auf die Nase, dann Flaute und am Schluss
noch ein
paar Böen um die 25 kn) segeln wir rüber nach La Gomera. Es wurde uns nicht langweilig.
Zur Freude
aller konnten wir sogar noch aus der Ferne Grindwale beobachten. Mario hielt sich
dieses Mal wacker
im Cockpit auf. 5 1/2 Stunden später legten wir an einem der wenigen
freien Plätze in der Marina San Sebastian an.


San Sebastian
La Gomera ist die zweitkleinste der sieben kanarischen Inseln und kann gut in einigen Tagen
besucht
werden. Abermals mieten wir ein Auto und gehen auf Entdeckungsreise. Wir durchqueren den
Nationalpark
Garajonay. Mitten im Gebirge liegt ein immergrüner Wald - Ausgangspunkt für viele
Wanderungen.


Auch wir lassen uns einen stündigen Rundgang nicht nehmen. Dann führt uns die Fahrt
durch ein
weiteres mit
Dattelpalmen
gesäumtes Tal
bis nach Valle Gran Rey, einem kleinen, vor
allem
bei Individualtouristen beliebten Ort.

Nach 2 Wochen auf der Vanupieds verlassen uns Evelyne und Mario Richtung Genf. Es erwartet
sie der gewohnte Komfort (nicht mehr WC pumpen und sparsam mit dem Wasser umgehen müssen),
aber auch winterliche Temperaturen und der erste Schneefall. Wir hingegen geniessen weiterhin die
angenehmen Temperaturen um die 23° (nachts um die 18°) und laufen in T-Shirts und Shorts rum.


Fährverbindung zwischen San Sebastian und Los Christianos (21 Meilen in einer halben Stunde, ca. 40 Knoten im Schnitt)
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