Salvador und Umgebung vorher | nachher
zurück zum Logbuch
Bahia
 
Tinare


März 2010

Nachdem wir etliche Strassen Salvadors abgelaufen sind, vom Pelourinho bis nach Campo, konnten wir viele Eindrücke des Karnevals sammeln. Der Pelourinho, die Altstadt Salvadors, bietet keinen Platz für die grossen «Trio Electricos » und man findet dort eher die traditionellen Gruppen mit afro-brasilianischer Musik, wo die Trommeln dominieren.

Carnaval

Auf den grossen Strassen von Campo hingegen ziehen unaufhörlich die riesigen «Trio Electricos » vorbei. « Electricos » sind Lastwagen, welche mit riesigen Lautsprechern ausgerüstet sind, eine Welt der Bässe und Dezibels, die Streetparade im Vergleich kann zusammen packen.

Jedes Mal, wenn ein solcher Koloss an einem vorbei zieht, vibriert der ganze Körper. Auf dem Dach dieser «Trio Electricos » spielen und singen bekannte oder weniger bekannte Gruppen brasiliens. Die Fangemeinde folgt hinter dem Wagen und muss einiges an Geld locker machen, wenn sie im mit Seilen abgesperrten Bereich laufen will.

Der Alkohol fliesst in Strömen, immer wieder kommt es zu Pöbeleien zwischen den Angesäuselten ausserhalb der Seile und den Fans. Die Polizei ist enorm präsent und sofort unzimperlich mit ihren Knüppeln zur Stelle, um Ausschreitungen zu vermeiden oder zu unterbinden. « Gringos » wie wir halten am besten genügend Distanz, um sich nicht plötzlich in diesem Teufelskreis zu befinden.

Electricos

 

Nach diesen farbigen und lauten Tagen war es an der Zeit, anderes von Salvador und der Umgebung zu sehen.

In der Marina Terminal Nautico trafen wir Segler, die wir auf den Kanaren kennen gelernt hatten und ebenso machten wir neue Bekanntschaften. Eines dieser Boote, « Nuwam  2» mit Robert und Heidi an Bord, kannte das Gebiet der Allerheiligenbucht sowie die Archipele Tinharé und Camamu von einem vorangegangen Törn mit einem Brasilianer. Sie haben uns angesprochen und gefragt, ob wir Lust hätten, mit ihnen und ihrem aus Deutschland kommenden Besuch diese « Rundreise » nochmals mitzumachen.

Es war sehr verlockend, in einer Gruppe zu segeln, nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch weil ein Teil der Strecke nicht kartographiert war und Robert dafür die Tracks hatte (dies sind vom GPS aufgezeichnete Wegepunkte). So gingen wir spontan mit 5 anderen Segelbooten auf eine fast einmonatige Entdeckungsreise.

Piroge

Auf Fischfang mit einer Jangada.

Zuerst überquerten wir die Allerheiligenbucht bis nach Itaparica. Auf dieser Insel mit dem gleichen Ortsnamen versammelten sich alle Segelboote. Wie auf einem Schulreisli segelten wir hinter einander der Westküste entlang und mussten dabei unter einer 18 m hohen Brücke durch. Für einen Moment waren wir angespannt, weil es wirklich nicht viel Platz zwischen Masttop und der Brücke gab. Doch es passte und wir erreichten unseren ersten schönen Ankerplatz vor Catu.

Gegenüber von Catu mündet der Rio Jaguaribe. Diesen Flusslauf segelten wir hoch und ankerten vor dem Dorf Jaguaribe, wo uns ein Krebsschmaus erwartete.

 

Jaguaripe

Südlich der Insel Itaparica gibt es eine Passage mit relativ wenig Tiefe, durch die wir aufs offene Meer hinaus gelangen. Den ganzen Tag haben wir tolle Segelbedingungen und erreichen das Archipel Tinharé und den Ankerplatz in der Bucht von Garapua. Am Abend feiern wir Claudias Geburtstag mit einer leckeren « Crevetten Moqueca », einer bahianischen Spezialität.



Garapua

Die Bucht von Garapua ist umgeben von zwei Korallenriffen und die sich brechenden Wellen sind gut aus der Ferne sichtbar. Am Ankerplatz trafen wir auf zwei französische Segelboote, die auf diesen Korallenriffen aufgelaufen sind, weil sie blindlings einem Navigationsbuch vertrauten. Einer der beiden hatte sehr grosse Schäden (Mast geknickt und Wassereinbrüche) und wäre wohl gesunken, wenn er nicht von den einheimischen Fischern abgeschleppt worden wäre.

Die Strassen von der Insel sind in sehr schlechtem Zustand und wir werden mit dem öffentlichen Verkehrsmittel, einem Traktor-Anhänger, nach Morro de Sao Paulo gebracht. Morro ist eine Tourismushochburg, man findet hier die dichteste Konzentration von Pousadas (Herbergen) pro m2 in ganz Brasilien.

Traktor

Moro de Sao Paulo

Am Strand von Morro, v.l.n.r.: Heidi (Nuwam 2), Jan (Peter Pan), André (Nuwam 2), Thierry, Philippe und Françoise (Wind Song III), Claudia, Robert (Nuwam 2)

bis

Brasilianisches Raclette...

Scupultures

Ungefähr 30 Meilen trennen Garapua von Campinho und das Meer in dieser Gegend ist sehr fischreich.

Vanupieds sous voile

Während der Überfahrt ziehen wir unseren bisher grössten Fang an Bord. Eine ca. 10 kg schwere Stachelmakrele zappelt an der Leine, die wir nur mit Hilfe des Hakens ins Cockpit hieven können.



Carangue

Campinho

In Campinho lassen wir die Boote vor Anker liegen und werden von einem der Wassertaxis, einer sogenannten Lancha, in aller Frühe (06h00) abgeholt und in einer 1 1/2-stündigen Fahrt in das hübsche Städtchen Camamu gebracht. Um diese Zeit herrscht überall schon viel Betrieb. Wegen der Hitze werden die Aktivitäten im Allgemeinen auf den Morgen verlegt.

Camamu

Wegen den Untiefen haben wir darauf verzichtet, selber mit den Booten bis nach Camamu zu fahren.

Route pour Camamu

Camara Municipal

Ratshaus von Camamu.

Fillette

Pastèques

Am nächsten Tag lichten wir den Anker und segeln weiter Fluss aufwärts bis nach Maraú.

Maraù

Ab diesem Ort haben wir keine Karten mehr und folgen "Nuwam 2" ganz dicht, um nicht auf einer Sandbank aufzulaufen. Nach einer guten Stunde erreichen wir wieder einen schönen, ruhigen Ankerplatz, der unweit von dem Wasserfall  "Cachoeira Tremembé » liegt.

Tremembé

Neben dem Wasserfall gibt es ein nettes Restaurant, welches viele Spezialitäten serviert, unter anderem auch einen sehr feinen Palmherzensalat.

Colibri

Equipe de choc

Vor dem Wasserfall mit Françoise und Philippe.

Wir verbringen 2 Nächte an diesem idyllischen Ort, bevor wir den Fluss runter fahren. Es gäbe noch viele weitere schöne Ankerplätze, doch die Zeit drängt für die Gäste von "Nuwam 2", welche in ein paar Tagen die Heimreise antreten müssen. Wir verlassen die Bucht von Camamu, aber draussen auf dem Meer erwartet uns eine grosse Gewitterfront, die uns zur Rückkehr zwingt.

Couché de Soleil sur Trembembé

Am nächsten Tag sieht das Wetter besser aus und wir steuern den Ankerplatz von Morro de Sao Paulo an. Es hat zwar genügend Wind, doch genau auf die Nase. Die ersten paar Stunden unterstützt uns der Motor, dann dreht der Wind so, dass wir auf direktem Weg unserem Ziel entgegen segeln können.

Während der Fahrt verfolgen wir die Entwicklung eines riesigen Cumulonimbusses. Er sieht toll aus und hat die typische Form eines Ambosses. Wir sehen ihn stetig wachsen und wie näher wir Morro kommen, desto dunkler wird der Himmel. Den Ankerplatz können wir gleich abschreiben, denn es hat viel zu viel Schwell.

So segeln wir mit achterlichen Wind weiter Richtung Bom Jardim. Dieser Platz befindet sich hinter einer langezogenen Sandbank. Ab Camboa ist der Flusslauf nicht mehr kartographiert und der Reiseführer empfiehlt, Kurs auf 330° zu halten, nachdem man das weisse Hause (welches...?) am Strand passiert hat. Mit dem Gewitter im Nacken und der aufgewühlten See starren wir auf das Tiefenmesser. Anspannung pur.

orage

Wir erreichen den Ankerplatz keine Minute zu früh. Kurz nachdem der Anker gefallen ist, öffnen sich die Schleusen. Weltuntergangsstimmung herrscht. Eine solche Ansammlung von Blitzen haben wir noch nie erlebt. Wir hängen alle heiklen Geräte ab, verstauen Computer und GPS im Backofen und hoffen, dass kein Blitz einschlägt. Eine Stunde später ist das Schlimmste vorbei. Ab dann regnet es nur noch den ganzen Abend und wir können eine wirklich kalte Dusche (brr..) auf dem Deck nehmen.

Am darauf folgenden Tag herrscht wieder schönster Sonnenschein. Was wir noch nicht wissen ist, dass uns abends das gleiche Theater erwartet.

Valenca

Robert und Thierry

So fahren wir mit dem Bus nach Valença, einer pulsierenden kleinen Stadt. Dort finden wir einen grossen Supermarkt, wo wir uns für die nächsten Tage gut eindecken können. Toiletten standen aber nicht auf der Einkaufsliste.

Transport de WC

Ebenso kaufen wir von einem Brasilianer frisch gefangene Austern, die wir – ausser Susanne – später auf "Nuwam 2" degustieren.

Susanne de Peter Pan et Claudia

Susanne von "Peter Pan" und Claudia

Nach einem nochmaligen Abstecher nach Morro de Sao Paulo verlassen wir das Gebiet um Tinharé und segeln zurück nach Catu.

Eigentlich wollten wir am nächsten Tag an Land gehen, doch komischer Weise herrschte generelle Funkstille. Was ist den los? Wie sich herausstellte, leideten alle - ausser Susanne – an einer Austernvergiftung und verbrachten die Zeit über der Pütz oder auf dem WC. 24 Stunden später ging es uns allen wieder besser und wir konnten am 14. März die letzte Etappe zum Ausgangspunkt nach Itaparica in Angriff nehmen.

Cacha Prego

Cacha-Pregos auf der Insel Itaparica.

Susanne und Jan von "Peter Pan" begleiten uns weiterhin und zusammen fahren wir den Rio Paraguaçu hoch bis zum Ort Maragojipe. Samstags findet dort immer ein traditioneller Markt statt und die Bauern kommen mit ihren Lanchas oder Eseln von überall her, um ihre Waren zu verkaufen.

Marché de Maragojipé

Ânes

Esel-Parkplatz

Epices

Maragojipé

Maragojipe

Maragojipé

Salon de coiffure

Ein trendiger Coiffeurladen.

Wir profitieren von den öffentlichen Verkehrsmitteln und besuchen die umliegenden Städte Sao Felix und Cachoeira. Diese Orte sind bekannt für die zahlreichen Häuser aus der Kolonialzeit, wo Zuckerrohr und Tabak angebaut wurde. Leider sind viele Bauten in sehr schlechtem Zustand, weil das Geld für die Renovationen fehlt.

Cachoeira

Cachoeira

Batiments d'époque coloniale

Pont pour Sao Felix

Sao Felix

Cabine téléphonique typique

Connecting people...

Lancha

Flamboyant

Flammenbaum

 

Nächster Bericht: Salvador und Umgebung II vorher | nachher
zurück zum Logbuch