August 2010
Die Wochen in Itaparica zogen sich in die Länge. In der Marina wurde eine grosse Leinwand installiert, wo alle Spiele der Fussball-Weltmeisterschaft live übertragen wurden. Wir verfolgten unter anderem auch die traurigen Spiele der Schweizer Nati und konnten uns einzig damit trösten, dass sie den Weltmeister geschlagen hatten. |

Nach dem Aus der Brasilianer herrschte Weltuntergangsstimmung. Die weiteren Spiele wurden gar nicht mehr gezeigt; praktisch über Nacht verschwanden die Leinwand und der Beamer. Das gefiel uns Europäern gar nicht und so suchten wir ein anderes Lokal, wo wir die restlichen Spiele auf einem kleinen Fernseher mit verfolgen konnten.
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Nach dem 11. Juli galt unser Hauptinteresse wieder dem Wetterbericht. Regelmässig luden wir verschiedene Daten runter, doch die Regenzeit zog sich in die Länge und das Meer entlang der brasilianischen Küste war aufgewühlt. Segler, welche den Versuch unternommen hatten, die Allerheiligenbucht zu verlassen, kehrten Stunden später wieder nach Itaparica zurück. |

Ende Juli zeichnete sich endlich eine gute Wetterfront ab. So blieb uns noch genügend Zeit, Vanupieds wieder reisetüchtig zu machen. Wir profitierten von den hohen Tiden und konnten auf der Sandbank von Itaparica trocken fallen und das Unterwasserschiff putzen. |


Zu unserem Erstaunen sah der Rumpf ganz gut aus. Das kommt wohl daher, dass wir ihn regelmässig abschrubben. Thierry taucht so gut wie möglich unters Schiff und ich reinige entlang der Wasserlinie. Nach diesen Putzvorgängen sind wir jeweils übersäht mit Mini-Crevetten (eine Art Krill). Mit Vorliebe machen sie es sich an der Badehose, im Bauchnabel oder in den Ohren gemütlich.
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Der Propeller hingegen hatte es bitter nötig, denn hunderte von kleinen Napfschnecken betrachteten ihn als ihr neues Zuhause. Ebenso mussten wir 2 Anoden vom Ruderblatt wechseln, die inzwischen ganz schön angeknabbert waren. |

Am Samstag, 31. Juli, kurz nach Sonnenaufgang um 06h00, war es dann soweit. Mit auslaufender Strömung verliessen wir zusammen mit "Nuwam" und "Rose" die Allerheiligenbucht. Während den ersten Stunden hatten wir den Wind voll auf die Nase und das Meer war wegen den Untiefen von San-Antonio ausgangs Salvador ziemlich aufgewühlt. |


Nuwam hüpft über die Wellen.
Nach ungefähr 20 Meilen konnten wir den Kurs Richtung Nordosten ändern, was uns mit dem blasenden Südostwind einen besseren und komfortableren Winkel bescherte. |

Unser Windpilot macht seine Sache gut.

385 Meilen (715 Kilometer) und 2 ½ Tage später erreichten wir gegen 21h00 den Frachthafen von Suape (ca. 40 km südlich von Recife). Für die Nacht ankerten wir neben grossen Containerschiffen, bevor wir am nächsten Morgen bei Hochwasser entlang dem Riff hinter die Insel Tatuoca motorten und den Anker im geschützten Fluss vor einer Hotelanlage fallen liessen. |

Nachts waren diese Fässer kaum sichtbar und beinahe hätten wir darauf geankert. |

Wir waren die einzigen Boote am ruhigen Ankerplatz, erholten uns von der Fahrt und unternahmen tägliche Spaziergänge ins nahegelegene Dörfchen Suape. |




Hibiskusblüten

Ein verdienter Sundowner: Robert und Heidi (Nuwam), Alex (Rose), Claudia

Ebenfalls machten wir einen Ausflug nach Olinda, der drittältesten Stadt Brasiliens. Die Hinfahrt dauerte ewig. Statt den angenommenen 2 Stunden brauchten wir 3 ½ Stunden für die ca. 50 km. Schuld daran waren der Regen sowie ein Sattelschlepper, der wendete und in unseren stehenden Bus fuhr. Zum Glück gab es nur Blechschaden. Alle Passagiere mussten aussteigen und am Strassenrand auf nachfolgende Busse warten. |

Olinda: Kirche von Sao Francisco


Die Stadt Recife im Hintergrund.

Heidi, Joao (so könnte er heissen) und Alex



Eine Woche später verliessen wir unser ruhiges Plätzchen, um das nächste Etappenziel, Jacaré am Fluss Paraíba liegend, anzusteuern (Distanz 110 Meilen). Auf der Fahrt kamen wir am Cabo Branco vorbei, dem östlichsten Punkt des ganzen Kontinents. |

Wir mussten uns vor diesem Koloss gedulden, bis ihn die Pilotboote abgeschleppt hatten.


Am Ankerplatz stossen wir auf ein paar bekannte Segler, die uns gleich mit wertvollen Tipps über die Gegend begrüssen (Dinghidock, Supermärkte, Banken etc.). |

Bei der Ankunft bläst der Wind stark und die Strömung mit 3 bis 4 Knoten ist beträchtlich. Bei auslaufender Tide, wenn Wind und Strömung in die selbe Richtung laufen, ist das kein Problem. Hingegen bei einlaufender Tide bewegen sich die Boote in alle Richtungen; jedes hat sein Eigenleben, fährt über seinen Anker und nähert sich gefährlich den anderen Booten.
Wir schauen dem Spiel eine Zeitlang zu und ankern schlussendlich um, damit wir nicht von einem Boot, das eher einem durchgebrannten Pferd gleicht, gerammt werden.
Bevor wir die Weiterfahrt nach Natal und Fortaleza in Angriff nehmen, bleiben wir etwa 10 Tage hier. Anfang September läuft unsere Aufenthaltsbewilligung ab und dann verlassen wir Brasilien definitiv Richtung Französisch Guyana.
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