August 2009
Arzal Nautique hatte nach unserer Rückkehr viel Arbeit. Während einer Woche gaben
die Mitarbeiter ihr Bestes, um die Mängel so gut wie möglich zu beheben. Am 6. August verlassen
wir
die Werft, obwohl noch nicht alles zu unserer Zufriedenheit geregelt werden konnte. Wir wollten
aber
keine weiteren Runden drehen und warten, bis die 3-wöchigen Betriebsferien vorbei waren.
Zudem
weitete sich das Azorenhoch bis in die Bretagne aus und brachte die nötigen Winde, um die Biskaya zu überqueren.

Ein letztes Mal passieren wir die Schleuse und motoren der Vilaine entlang.

Wir verbringen 2 angenehme Tage auf Belle-Île. Dieses Mal können wir auch tagsüber
trocken fallen.
Praktisch, um das Boot zu schrubben und die Algen zu entfernen.




Ebenso wandern wir der wunderschönen Küste entlang.

Am 9. August ist es soweit. Wir wagen den "grossen Sprung" über die Biskaya. Das Wetterhoch ist
stabil und
Nordostwind ist angesagt. Um 08h00 bei Hochwasser verlassen wir Sauzon.

Der Leuchtturm "Poulains" auf Belle-Île.

Ein leichter Wind von 4 bis 5 Knoten schiebt uns Richtung Süden. Er lässt uns gerade noch Zeit das Mittagessen
zu nehmen, bevor er stärker wird und uns eine tolle Fahrt beschert. Der Wellengang ist anfänglich nicht
nennenswert, erst als wir vor dem Tiefenwechsel stehen, wird die See für ein paar Stunden unruhig.
Das Spezielle an der Biskaya ist die Passage über die Kontinentalplatte, da also wo das Meer von ca. 200 m
auf 4000 m Tiefe abfällt. Kein Wunder bilden sich da je nach Wind und Wetter hohe Wellen.

Halbzeit. Noch ca. 30 Stunden liegen vor uns.
Um 04h00 morgens lässt uns der Wind völlig im Stich und wir müssen auf das "Diesellüftchen" zurückreifen.

Während der Ueberfahrt offeriern wir Neptun und Aeolus eine kleine Flasche Prosecco. Diese wurde von
Markus und Maric explizit für diesen Anlass gesponsert. Wir hoffen, dass die beiden in Zukunft
mit uns gnädig sind (nicht Markus und Maric).

Aeolus meinte es dann gar gut mit uns.
Am übernächsten Tag, nach ca. 50 Stunden, liegt die spanische Küste
vor uns.
Nach weiteren 3 Stunden setzen wir den Anker in der Bucht von Cedeira.
Diese liegt
ca. 20 Meilen nördlich von La Coruna.
Gemäss CCS-Informationen müssten wir zuerst zum Hafenmeister, dann zum Zoll und
nachher noch
zur Guardia
Civile.
Von all dem gibt es hier nichts. Und auch später in La Coruna wird diese Prozedur nicht gefordert.


Diese Flasche Prosecco ist nach der Ankunft für uns bestimmt.
In Cedeira bleiben wir 2 Tage und erholen uns von der Ueberfahrt. Wir schlendern durch die
Gassen
und geniessen
Spaziergänge am Strand oder durch Eukalyptuswälder.



Unter herrlichen Segelbedingungen erreichen wir La Coruna innerhalb von 5 Stunden.
Die Marina befindet sich
in der Mitte der Stadt. Während den Sommermonaten bietet La Coruna
ein vielfältiges Unterhaltungsangebot: Ausstellungen, Konzerte am Strand und auf grossen Plätzen
in der Altstadt.
Es hat etliche Bistros und Degustationsstände mit Spezialitäten aus ganz Spanien.
Wir probieren diejenige
von Galizien, den Tintenfisch - wir würden nachts nicht unbedingt dafür aufstehen..


Plaza Maria Pita


Der Herkules-Leuchtturm.


Klopf, klopf, ist da jemand zu Hause?!


Der Strand im Norden der Stadt steht kurz vor der Einnebelung - und dies innerhalb von wenigen Minuten.

Eine typische Tapas-Bar. Tortilla und Calameres. En Guete!


Nein, das sind nicht die königlichen Hüte von Sofia, sondern die besagten Tintenfische. Gulp.


Es wimmelt nur so von Leuchttürmen der Küste entlang: Cabo Vilan.

Nach La Coruna erreichen wir eine weitere Bucht: Ria de Camariñas. Wir ankern vor der Marina.
Dies stellt sich nicht als
sehr empfehlenswert heraus. Dauernd brausen Fischerboote mit Vollgas
an uns vorbei. Man könnte fast seekrank werden.



Horreos (Getreidelager)
Nach zwei Tagen haben wir genug von den Rasern. Nicht weit entfernt finden wir ein ruhiges Ankerplätzchen.


Das Wasser ist so kalt (14 °), dass es nur zum Kneippen reicht.
Die meisten Segler lassen die nächste Bucht - Ria Corcubion - aus. Wir aber haben Gutes darüber gelesen
und
können ein weiteres Mal vor dem gleichnamigen Ort vor Anker gehen. Wir umrunden das bekannte
Cap Finisterre. Hier endet sogleich auch die Biskaya und der Atlantik beginnt. Ebenso ist dies der
westlichste Punkt von Spanien. Von nun an zeigt der Kompass Richtung Süden.

Der Leuchtturm Lobeira Grande und das Cap Finisterre im Hintergrund.
Bei besten Bedingungen verlassen wir Corcubion und segeln die ca. 18 Meilen in die nächste
Bucht - Ria Muros - hinein.
Ein nicht einfacher Ankerplatz erwartet uns. Die Meerestiefe sinkt
schnell ab und der
Grund ist mit Seegras bedeckt. Dadurch kann der Anker leicht wegrutschen
und das Boot somit abtreiben. Mit unserem Integralschwert können wir aber relativ nahe ans
Ufer gehen und müssen nicht so viel Ankerkette setzen. Bei Niedrigwasser stellen wir zudem
fest, dass wir auf Sandboden geankert haben, dies beruhigt für die bevorstehende Nacht.

Muros
Wir verlassen Muros und überqueren die Bucht, um in Portosin wieder einmal an einem Steg
festzumachen. Von hier aus
gibt es gute Busverbindungen nach Santiago de Compostela.

Die Kathedrale von Santiago de Compostela.
An der Kordel hängt ein 60 kg schwerer Behälter mit Weihrauch.


Die Regenquote liegt sehr hoch. Leider hat es uns auch erwischt.
Wir kreuzen viele Hinkende mit gezeichneten Gesichtern von den Anstrengungen:
es ist das typische Bild des Pilgers, ausgerüstet mit Wanderschuhen,
Wanderstock und Rucksack, an
welchem
hinten Socken und vorne die Jakobsmuschel hängen.
In den kommenden Tagen wollen wir noch ca. 2 - 3 weitere Rias sowie die Inseln Cies entdecken. Danach wartet Portugal auf uns...
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