September 2009
Bevor wir die Ria Muros verlassen, tanken wir in Portosin. Hier wird der offizielle Diesel-Preis
verrechnet und nicht wie in Camarinas, wo der Liter € 0.15 teurer gewesen wäre.
Wir ankern vor der Marina in Ribeira. Die Stadt macht auf den ersten Anblick keinen sonderlichen Eindruck,
aber wir finden einige Geschäfte, wo wir Material für die Schiffsausrüstung (diebstahlsicheres Kabel für
das Beiboot, Angelsachen) kaufen können. Die Einheimischen sind sehr freundlich und hilfsbereit und die vorgefundene
Fussgängerzone hat ihren Charme.
Am nächsten Tag segeln wir von der Ria Arousa in die Ria Pontevedra, wo wir vor dem schönen
Sandstrand in Sanxenxo ankern. Die Sommerferien scheinen noch nicht ganz vorbei zu sein, denn ab
16h00 füllt sich der Strand und auch viele Motorboote ankern um uns herum.

Kurz vor dem Sonnenuntergang kehren die Boote zu den umliegenden Häfen zurück. Eines der grossen Boote,
welches vor uns lag, lichtete den Anker und zog diesen samt einer Boje hoch. Die Leine wickelte sich um
die Motorschraube und das Boot war somit manövrierunfähig. Durch den starken Wind trieb
das Boot voll auf unseren Bug zu. Alle verfügbaren Hände, Füsse und Fender können einen
Zusammenstoss im letzten Moment verhindern.
Ein wenig später, der Aufregung nicht genug, hörte Claudia einen riesigen Lärm hinten am Heck. Schon wieder
so ein Idiot,
dachte sie zuerst. Ein grosses blaues Boot schien in uns hineinfahren zu wollen. Es war der
Zoll (Aduanas).
Zu zweit kamen sie auf unser Boot rüber und füllten ein Formular aus, bevor sie wieder
weiter zogen und
schöne schwarze Streifen auf unserem Deck hinterliessen.

Am folgenden Tag besuchen wir Combarro. Das sehenswerte Dorf
mit seinen
engen Gassen
ist
sehr touristisch,
aber typisch galizisch und mit vielen verschiedenen Getreide-
oder
Fischlager (Horeos).
Der Ankerplatz war bisher einer der ruhigsten, hingegen die Aussicht
auf die
gegenüberliegende Industriestadt
sicher nicht
die schönste.


Mit Hilfe des Radars verlassen wir die Ria Pontevedra, welche innerhalb
einer halben
Stunde
mit dichtem Nebel eingedeckt wurde. Ein Motorschiff passiert uns ganz nahe.
Wir bemerken,
dass unser Radar nicht genau kalibriert ist und eine Abweichung von ca. 20 Grad aufweist.

Eingangs der Ria Vigo, die letzte Ria vor Portugal, befinden sich die Inseln Cies. Uns
erwartet
ein
toller Ankerplatz vor einem schönen, weissen Sandstrand.




Nach zwei Tagen Nichtstun erreichen wir Baiona, unser letzter spanischer Stopp. Wir kaufen
nochmals richtig ein,
besichtigen die Burg und Replik der Pinta, eine der drei
Karavellen, welche die neue Welt entdeckte.
Die portugiesischen Passatwinde hatten sich eingestellt. Wir verlassen Baiona und erreichen in
8 ½ Stunden Povoa de Varzim, Portugal. Unser Hafenmanöver war "lausig". Ein seitlicher Wind von 25
Knoten
(ca. 45 km/h) trieb uns ab. Wir waren zudem das erste Mal – wie könnte es anders
sein – nur
auf einer Seite vorbereitet. Die anderen Bootsbesitzer holten schon mal ihre Fender raus.
Der Adrenalinspiegel stieg, aber alles ging gut - keine Schäden sind zu melden.
Povoa de Varzim bietet einige Vorteile. Die Marina ist günstig, das Personal ist sehr nett und zudem
fährt
die „Metro“ in 45 Minuten direkt nach Porto. Während zwei Tagen verschaffen wir uns einen
guten
Überblick und degustieren in einer der zahlreichen Kellereien entlang dem Douro den bekannten Portwein.

Stadtviertel Ribeira


Die Bücherei Lello


Zwei Tagesetappen weiter befinden wir uns bereits in Nazare, einer gut geschützten Marina, wo die
Meerestiefe
kurz
hinter der Hafenmole auf einige tausend Meter abfällt. Mike, der irländische Hafenmeister,
schwingt hier
das Zepter und dirigiert uns zu hinterst in ein enges Mauseloch.

Will keiner meine Fische kaufen??

Strandidylle.
Die Stadt ist sehr hübsch. Mit der Standseilbahn geht’s hoch auf den Berg, von wo
aus wir eine
schöne Rundsicht geniessen.


Die Frauen gewissen alters tragen ein traditionelles Kostüm, eine Art Mini-Jupe, und Schürze.
An jeder Ecke stehen sie und sprechen Touristen an. Dabei bieten sie Zimmer oder irgendwelche Touren an.

Wir hatten eigentlich vor, bis nach Cascais zu segeln und von dort aus nach Madeira zu gelangen.
Schlussendlich folgten wir aber der Empfehlung des Hafenmeisters, die Überfahrt von
Nazare
aus zu machen. Dies hiess zwar ca. 50 Meilen mehr, doch mit einem günstigeren Winkel und
besserer
Strömung. Zudem kannten wir Lissabon und Cascais von einer früheren Städtereise.
Am 15. September 2009 tanken wir nochmals voll und verlassen Nazare. Wir peilen
die
Insel Porto Santo an, welche 525 Meilen entfernt liegt. Die Wettervorhersage: schön,
Nordwind
Stärke 5 – 6 (zwischen 17 und 27 Knoten – oder 30 und 50 km/h) sowie Wellen in der Höhe von
2 – 2.50 m.
Die Langzeitvorhersage kündigt wenig oder gar keinen Wind auf Madeira an.
Die ersten Stunden sind sehr angenehm. Vorbei am Cap Ferrel und den Inseln Berlengas. Ja wir können
sogar im Cockpit das z’Mittag essen. Dann aber verstärkt sich der Wind und Wellengang.
Thierry
nervt sich ab dem Geräusch des Lazy-Bag-Verschlusses (Lazy-Bag = Abdeckung für das Grosssegel), welcher
immer
gegen den Masten schlägt. Er geht nach vorne und stellt mit Schrecken fest, dass der
Lümmelbeschlag,
welcher den Baum mit dem Masten verbindet, fast gänzlich herausgerutscht ist! Die
selbstsichernde Mutter
lag noch auf
dem
Deck, zum Glück. Mit viel Kraft, ziehen da und dort, schaffen wir es, innerhalb
einer
Stunde den „Lümmel“
und die Mutter wieder zu fixieren.

Fast hätten wir die Route ändern und nach Cascais abdrehen müssen. Die Reparatur ist nur
provisorisch,
denn es
fehlen noch einige Teile, die ins Wasser gefallen sind.
Wir getrauen
uns
gar nicht
vorzustellen, was passiert wäre, wenn alles gerissen hätte.
Der Wind erreichte Stärke 7 mit einigen Böen um 8 (35 Knoten). Wir schätzen, dass die Wellen etwas
mehr
als
4 Meter hoch waren. In diesen Momenten fragt man sich schon „was mach ich eigentlich hier“.
Das Boot verhielt sich aber sehr gut, was uns für die Zukunft zuversichtlich stimmt. Hingegen war es
relativ schwierig, bei solchen Konditionen Schlaf zu finden. Zudem hatten wir immer noch die Aufregung
vom Nachmittag im Kopf und beleuchteten mit der Taschenlampe mehr als einmal den Lümmelbeschlag.
Kurzes Video der Überquerung (6.3 Mb mit Windows Media Player ab Version 9): hier anklicken.

Weitere 20 durchgeschüttelte Stunden folgten, bevor der Wind und die Wellen etwas nachliessen.
In der zweiten Nacht fühlten wir uns bereits wohler und so müde, dass wir auch etwas schlafen
konnten. Es war Leermond und während der Nachtwache konnten wir einen wunderbaren Sternenhimmel
und die Milchstrasse bestaunen – etwas was wir (Städter) seit Jahren nicht mehr gesehen haben.
Unser Windpilot steuerte flott dahin und wirbelte das Plankton auf, welches einen fluoreszierten
Streifen hinter unserem Boot hinterliess.

Zeit für einen leckeren Kuchen!

Die Überfahrt beenden wir unter Motor – wie der Wetterbericht vorhersagte, verabschiedete
sich der Wind am dritten Tag. Gegen 19h00, kurz vor Sonnenuntergang, legen wir in der
Marina
von Porto Santo fest, dies nach fast 3 ½ Tagen, davon 62 Stunden unter Segel und 18 unter Motor.



Die kommenden 3 Wochen werden wir auf Madeira „Ferien“ machen. Thierrys Mutter
wird uns
Ende September
für 2 Wochen besuchen.
Nächste Etappe: Madeira – Kanarische Inseln
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